
Schloss Seehof in Memmelsdorf, Foto: Rainer Prüm
Über den tollen Bierbrauertag im Braugasthof “Drei Kronen” in Memmelsorf habe ich ja schon berichtet. Nicht weit davon, ebenfalls zur Gemeinde Memmelsdorf gehörend, liegt das Schloss Seehof. Dieses Schloss Seehof ist die ehemalige Sommerresidenz der Bamberger Fürstbischöfe. Es liegt nur etwa fünf Kilometer östlich von Bamberg und wird von einem großen Garten umschlossen, der ehemals im Stil des Rokoko gestaltet war. Die gesamte Fläche der Anlage umfasst etwa 21 Hektar. Und bereits im 15. Jahrhundert wurde hier ein Jagdhaus errichtet. Weiter schreibt wikipedia dazu: “ Das vierflügelige Schlossgebäude mit den markanten eckständigen Türmen entstand im Auftrag des Bamberger Fürstbischofs Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg. Der Plan stammte von Antonio Petrini, der Bau wurde 1687 begonnen und 1696 abgeschlossen. Nach dem Auftraggeber wird das Schloss auch Marquardsburg genannt; es ähnelt in seiner vierflügeligen Anlage dem Schloss Johannisburg in Aschaffenburg.

Gartenkunst Schloss Seehof, Foto: Rainer Prüm
Dem Schloss wurde von Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn (mehr zu ihm auf wikipedia hier), die Gartenanlage in ihrer heutigen Größe hinzugefügt und mit Fontänen, Brunnen, Bosketten und einem Heckentheater ausgestattet. Lothar Franz von Schönborn, geboren 04.10.1655 in Steinach am Main, gestorben 30. Januar 1729 in Mainz war von 1693 bis 1729 Fürstbischof des Bistums Bamberg und von 1695 bis 1729 Erzbischof des Bistums Mainz und Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches. Siehe dazu auch hier. Der Höhepunkt der Gartenkunst wurde unter Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (Adam Friedrich August Anton Joseph Maria von Seinsheim, geboren 16. Februar 1708 in Regensburg oder Sünching, gestorben 18. Februar 1779 in Würzburg, war Fürtsbischof von Würzburg und Bamberg), erreicht, der zwischen 1757 und 1779 unter anderem ein nicht mehr erhaltenes Labyrinth schuf, Wasserspiele bauen ließ und für reichen Skulpturenschmuck sorgte. Mehr zu ihm bei wikipedia hier. Die Figuren führte der Bamberger Hofbildhauer Adam Ferdinand Tietz aus, der auch für den Garten in Veitshöchheim tätig war. Skulpturen von Adam Ferdinand Tietz schmücken auch den Rosengarten der Bamberger Residenz. Schloss und Garten kamen nach der Säkularisation in Privatbesitz und verwahrlosten in den folgenden 150 Jahren. Die Einrichtungsgegenstände wurden nach und nach veräußert, der kunstvolle Garten sich selbst überlassen, die Kaskade verfüllt und alle Skulpturen an andere Standorte verbracht. Teile der verkauften Einrichtung werden heute zum Beispiel im New Yorker Metropolitan Museum of Art gezeigt. 1975 erwarb der Freistaat Bayern die Liegenschaft. Nach einer umfangreichen Sanierung des Hauptgebäudes, die bis in die 1990er Jahre andauerte, sind nun neun Schauräume innerhalb des Schlosses der Öffentlichkeit zugänglich. Und auch sehenswert. Zumal es, meiner Erinnerung nach, auch keinen Eintritt kostet. Und sollte man sich das alles gerne einmal anschauen wollen, hat man noch die wunderbare Gelegenheit, sich in einem in der Orangerie und im Schloss-Pak ansässigen größeren Biergarten und ”Restaurant & Cafe Schloss Seehof“, mit kultivierten Speisen und Getränken von Familie Müller und Küchenmeister Gerhard Neubauer und allen Mitarbeitern, verwöhnen zu lassen. Näheres, auch zu den aktuellen Öffnungszeiten, findet man hier.

Skulptur von Tietz, Foto: Rainer Prüm
Nach und nach konnten auch Kunstgegenstände zurückgekauft werden. Die Gesamtanlage stellt sich heute als rechteckiger Garten dar, der in sechs, durch Wege getrennte Rechtecke gegliedert ist. Das Schloss liegt zentral, die Wege sind als Alleen ausgeführt. Die ursprüngliche Gartengestaltung ist nicht mehr erkennbar, die meisten Flächen sind mit Rasen belegt, in den mittleren Rechtecken findet sich lockerer Baumbestand, in einem weiteren ein Boskettbereich. 1761 begann Adam Friedrich von Seinsheim mit den Planungen zum Bau einer Kaskade, deren Baubeginn 1764 und Inbetriebnahme 1771 war. Adam Ferdinand Tietz übernahm hierfür die künstlerische Gestaltung. Dieser wurde am 05. Juni 1708 zu Eisenberg/ Holtschitz im sudetendeutschen Erzgebirge in Nordböhmen geboren. Er erlernte zusammen mit seinem älteren Bruder das Bildhauerhandwerk in der Werkstatt des Vaters Johann Adam Dietz (Ferdinand änderte den Namen in Tietz). Danach war er Schüler des großen Prager Bildhauers Matthias Bernhard Braun. 1736 war er bei Balthasar Neumann in Würzburg beschäftigt. Seine ersten selbständigen Arbeiten sind die Figuren für den Hochaltar in Graukönigshofen bei Ochsenfurt. Er schuf, ohne je eine Akademie und Italien besucht zu haben, eine große Anzahl Plastiken, von denen einige in Museen in Würzburg und Nürnberg stehen. Zehn barocke Skulpturen (Apollo (Sonne), Diana (Mond), Flora (Frühling), Ceres (Sommer), Bachus (Herbst), Saturn (Winter), Aktäon (Jagd), Meleager (Jagd), Pan und Panin), stehen in der Schlosskapelle in Malberg.

Orangerie Schloss Seehof, Foto: Rainer Prüm
Adam Ferdinand Tietz fiel dem Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn -Buchheim auf, der ihn nach Würzburg holte, da der Bau der dortigen Residenz bevorstand. Mit Würzburg beginnt die große Schaffenszeit Tietz in Franken, welche insgesamt 34 Jahre bis zu seinem Tode am 17. Juni 1777 gedauert hat. Er schuf als Leiter einer großen Werkstatt insgesamt rund 1000 Bildhauerarbeiten, darunter die zahlreichen Gartenplastiken der Residenzen in Seehof und Veitshöchheim. Er starb arm und vereisamt nach mehrmonatiger Krankheit in Seehof und wurde auf dem nahen Memmelsdorfer Friedhof, den seine Werkstatt reich mit Figuren bestückt hatte, beerdigt. Mehr zum großen Bildhauer des Rokoko, der an fünf Fürstensitzen wie Bamberg, Würzburg, Trier, Speyer und Köln tätig war, und unter sechs Bischöfen, darunter drei aus dem Hause Schönborn diente, auch hier. Anlässlich des 300. Geburtstag des Bildhauers gab es ein Symposion und eine Ausstellung. Desweiteren findet man im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek auch 5 Werke über Adam Ferdinand Tietz.